Warum wird die Fleischeslust der Veganer in Zweifel gezogen?

Veganern sagte man noch nie übermässige Fleischeslust nach, zumindes nicht den eingefleischten. In Steaklokalen macht schon länger das Vorurteil die Runde, Veganer hielten es mit der Fleischeslust wie mit dem Fleisch: Nur ja nichts mit schönen Augen. Nun mag es auf den ersten Augenschein taktlos erscheinen, einen Veganer eingefleischt zu nennen, nur weil er mit offenen Augen durchs Leben geht. Aber wer nichts isst, was Augen hat, lebt  mit dem Ruf, fleischlich stark uninteressiert zu sein, keine Augen fürs Fleischliche zu haben  – und sei schwach auf der Brust! Dabei haben Gemüse-Kartoffeln am meisten Stärke von allem nicht fleischgewordenen und – Augen! Die Sprossknospen! Wer von den Alt-Veganer Augen für schöne Augen hat – und das Fleisch, das sie umgibt – nennt die Kartoffel-Knospen, aus denen junge Triebe spriessen: Augen! Kein Wunder also, dass einem selbst auf Speisekarten ohne Augen immerhin Kartoffelaugen zublinzeln.

Hingegen fallen auch Vorurteile gegenüber Fleischfressern ins Auge: Fleischfresser werden in augenlosen Restaurants als gefühlskalte Warmduscher empfunden, weil sie Hummer mit offenen Augen, lebend ins kochende Wasser werfen, (Veganer tun das nicht mal mit Broccoli!), aber die Augen schliessen, wenn ein Huhn auf ihrem Tisch geschlachtet würde. Fleischfresser, so geht das Gerücht beim jungen Veganer-Gemüse, seien in der Regel viel feigere Schweine, als je ein Filet zu Lebzeiten es sein durfte, ehe es bei Fleischfressern auf dem Teller landete.

Dagegen behaupten die Fleischfresser, die Veganer seien Schuld an der Vertreibung aus dem Paradies, weil sie nicht auf den Tipp einer Schlange gehört hätten. Hätte nämlich Eva Adam verraten, was es ihn kosten würde, wenn er einen Apfel kostet, er hätte damals der langfristigen Kostenfolge wegen lieber von der Schlange gekostet. Der Baum der Erkenntnis wäre unberührt geblieben, wir würden glücklich im Paradies leben, in einem Land, wo es in allen Hotels fliessende warme Soja-Milch gäbe, und die Tauben nur jenen Gästen in den Mund flögen, die ihn zu lange und weit genug aufreissen, ohne etwas zu sagen zu haben.

So werfen ausserhalb des Paradieses beide Seiten einander Dinge vor, die niemand essen möchte. Eingefleischten Veganern verübelt man es, wenn sie auf junges Gemüse die Augen werfen. Man gönnt ihnen nicht einmal, wenn sie es sich mit einem ausgekochten Früchtchen gut gehen lassen. Aber auch wenn die Fleischfresser ihre Fleischeslust zähmen, sie lieben den öffentlichen Verkehr. Während Veganer lieber zuhause ans Eingemachte gehen, anstatt sich durch verkehrsberuhigte Aussenquartiere Strassen zu bahnen, um beim Biobauer Biokühe töten zu lassen. Wer Augen hat, zu sehen, und Hörner um sich zu streiten, sollte zumindest auch die Augen beim Gemüse sehen. Kartoffeln haben sie.